Bericht Test Gladius Mini: SIZE MATTERS? Wie viel Großes steckt in der U-Boot-Drohne Gladius Mini?

Chasing 2019-03-26 14:39:34 鲛GLADIUS MINI Recensione Gladius Mini

Mit dem Namenszusatz „Mini” ist das ja immer so eine Sache. Klein ist weder immer besser noch zwangsläufig schlechter als groß. Was unterscheidet daher etwa die neue Unterwasser-Drohne Gladius Mini aus dem Hause Chasing Innovation vom größeren Bruder Gladius Advanced, den wir in Drones-Ausgabe 3/2018 vorgestellt haben? Oder anders gefragt: Does size really matter?

Dass der Gladius Mini nun über insgesamt fünf Motoren/Strahlruder verfügt, ist die vielleicht wichtigste Neuerung im Vergleich zum großen Bruder


Auf den ersten, flüchtigen Blick ist der Unterschied zwischen Gladius Mini und Gladius tatsächlich eher klein. Oder besser gesagt: kleiner. Die Mini-Version der Unterwasser-Drohne des chinesischen Herstellers sieht tatsächlich aus wie eine geschrumpfte Variante des großen Bruders, wobei auch dort die Differenz eher gering ausfällt. 5 Zentimeter weniger Länge sind nicht die Welt, die Gewichtsdifferenz von zirka 700 Gramm ist absolut betrachtet überschaubar, bei einem Gesamtgewicht von 3,2 beziehungsweise 2,5 Kilogramm prozentual jedoch nicht zu vernachlässigen. Eine wesentliche Neuerung offenbart sich beim zweiten, ein wenig genaueren Blick. Der Gladius Mini verfügt über insgesamt fünf Motoren beziehungsweise Strahlruder. Drei davon sind jetzt in Dreiecksform auf der Oberseite angeordnet, womit die wesentlichen Faktoren zum Einlösen des PR-Versprechens („Smaller and more stable”) des chinesischen Herstellers bereits genannt sein dürften.


Die Kleine sammelt Pluspunkte


 

Der fünffache Antrieb lässt vermuten, dass die Drohne nicht nur „kleiner und stabiler” sei, sondern dass es möglich wäre, direkt vertikal abzutauchen. Besonders in engen Situationen an Riffkanten oder Wracks wäre das ein wirklicher Pluspunkt gegen- über Modellen mit drei oder vier Antriebsmotoren, die zum Abtauchen immer etwas Vorwärtsfahrt benötigen. Ausgestattet mit einer 4K-UltraHD-Kamera, die Videos in einer Auflösung von 3.840 × 2.160 Pixel (30 fps) und 12-Megapixel-Fotos mit einem Weitwinkel von 95 Grad aufnehmen kann, soll der Gladius Mini laut Hersteller bis zu einer Tiefe von 100 Meter tauchen können. Je nachdem natürlich, ob man sich für die Variante mit 50 oder eben 100 Meter Halteseil entschieden hat. Neu und ebenfalls ein Vorteil gegenüber der AdvancedVariante ist auch, dass der Neigungswinkel über den Controller zwischen Plus und Minus 45 Grad arretierbar ist und sich die Drohne nach oben oder unten ausrichten lässt. Die maximale Geschwindigkeit beträgt 2 Meter pro Sekunde, die Antriebsleistung ist in drei Geschwindigkeitsstufen einstellbar. Die Betriebszeit beträgt laut Datenblatt etwa 2 Stunden. Je nach Einsatzgebiet kann dies aber in der Praxis durchaus unterschiedlich sein.



Ein weiteres Highlight ist, das zusätzlich zum Livebild am Controller ein weiteres Smartphone oder Tablet als Gast im WLAN des Gladius Mini eingeloggt werden kann. So besteht die Möglichkeit, das Livebild auf einer VR-Brille und gleichzeitig auf einem anderen Gerät zu sehen. Für Foto- und Videoproduktionen ein wirklich extrem sinnvolles Feature. Und auch für den Tourismus ergeben sich so Möglichkeiten, den Gästen, die nicht ins Wasser können oder wollen, einen Einblick in die fantastische Unterwasserwelt zu geben. Das Videosignal kann zudem auch über ein HDMI-Kabel direkt an einem großen Monitor ausgegeben werden. Mit der IF.Dive App, Dass der Gladius Mini nun über insgesamt fünf Motoren/Strahlruder verfügt, ist die vielleicht wichtigste Neuerung im Vergleich zum großen Bruder 125 die es für iOS- und Android-Betriebssysteme gibt, ist sogar Livestreaming über YouTube oder Facebook möglich. In der App können der Steuermodus und die Belegung der Tasten für den Bluetooth-Controller frei zugeordnet werden. Gleichzeitig sind manuelle Einstellmöglichkeiten für Video- und Fotoaufnahmen vorhanden und Bilder können gleichzeitig im .jpg- und .dngModus aufgenommen werden. Merkwürdig: An der Basistation ist ein SD-Kartenslot verbaut, der derzeit noch keine Funktion hat. Eine Rückfrage bei Hersteller Chasing Innovation ergab die etwas vage Auskunft, dass dieser in Zukunft eine Rolle spielen werde.


Was wird geliefert ?


 

Geliefert wird der knallgelbe Gladius Mini mit fest verbautem Akku, Ladegerät, Controller mit Halter, WLAN-Basisstation, austauschbaren Tauchgewichten für Süß- und Salzwasser, Ersatz-O-Ringe und einem je nach gewählter Ausführung 50 oder 100 Meter langen Kabel. Auch eine Bedienungsanleitung darf natürlich nicht fehlen. Mit dem mitgelieferten Lader kann man entweder den Gladius Mini oder die WLANBasis laden. Leider fehlt hier die Möglichkeit, beide gleichzeitig zu füllen. Die Verarbeitung der Drohne macht einen hochwertigen Eindruck, aber der mitgelieferte Controller konnte nicht überzeugen. Mit dem angeschraubten Halter ist die Einheit nicht stabil in der Handhabung, wenn ein Tablet als Monitor verwendet wird. Es besteht aber die Möglichkeit, andere BluetoothController zu verwenden, die eine etwas wertiger ausgeführte Klemmvorrichtung für Smartphone oder Tablet haben. Wenn es dann losgehen soll, dann ist der Gladius Mini schnell betriebsbereit. Die UnterwasserDrohne mittels Kabel mit der WLAN-Basisstation verbinden, dabei auf feste und wasserdichte Verschraubung achten. Jetzt die Basis einschalten, Smartphone oder Tablet mit dem Gladius Mini-WLAN verbinden, die vorher im App Store geladene IF.Dive App starten und gleichzeitig den Bluetooth-Controller bei eingeschaltetem Bluetooth verbinden und schon sieht man das Livebild in der App. Übrigens ist es ratsam, die Gummi Dichtringe an den Steckern am Kabel ab und zu zu überprüfen und diese auszutauschen, sobald erste Beschädigungen sichtbar sind. Und natürlich ist nach dem



Tauchgang das Abspülen der benutzten Teile mit Frischwasser Pflicht. Die WLAN-Basis sollte nicht mit dem nassen Element in Berührung kommen, da diese nicht wassergeschützt ist.



Bei ersten Tests in deutschen Gewässern mit geringer Strömung waren wie vom Hersteller angegeben Akkulaufzeiten bis 2 Stunden zu erreichen. Was mich erstaunte, war der tatsächlich mögliche vertikale Abstieg. Und zwar punktgenau. Über den einschaltbaren Stabilisierungs-Modus, vergleichbar mit dem von Flugdrohnen, konnte der Gladius Mini exakt auf Position gehalten werden. Apropos Flugdrohnen: das gesamte Steuerverhalten des U-Boots kommt dem der fliegenden Verwandten erstaunlich nahe.


Deep Red Sea


 

Einige Tage später testete ich den Gladius Mini an einem Steg in Ägypten in der Soma Bay am Breakers Hotel, wo General Manager Stefan Reichl mir freundlicherweise wieder ausgiebige Erprobungsfahrten ermöglichte. Bei sonnigem Wetter und angenehmen Temperaturen war der Steg das ideale Test-Areal. Um dem höheren Auftrieb im Salzwasser Rechnung zu tragen wurde vor dem Tauchgang das noch an der Unterseite installierte Süßwasser- gegen das schwerere Salzwasser-Gewicht getauscht. Im Salzwasser und den Strömungsverhältnissen des Roten Meeres merkte man schnell, dass hier anders als im ruhigeren deutschen Binnensee eine leichte Vorwärtsfahrt zum Abtauchen von der Wasseroberfläche erforderlich ist. Sobald der Gladius Mini sich aber unter Wasser befand, tauchte er exakt vertikal ab und selbst bei starker Strömung hielt er die Tiefe, verharrte auf dem gewünschten Punkt. Bedingt durch die stärkeren Strömungseinflüsse verlangt dies den Motoren natürlich mehr ab und durch den höheren Energieverbrauch reduzierte sich die maximale Laufzeit mit einer Akkufüllung dann doch deutlich auf zirka 1 Stunde.



Dies war jedoch die einzige kleinere, aber eben auch nachvollziehbare Einschränkung des außerordentlich positiven Eindrucks, den der Testkandidat hinterließ. Es machte ungeheuren Spaß, an den Riffkanten vertikal abzutauchen und die Unterwasserwelt zu erkunden. Im Vergleich zu Unterwasser-Drohnen mit drei oder auch vier Motoren war durch die fünf verbauten Antriebe ein genaueres, feinfühligeres Steuern möglich. Am Steg waren leider nur Tauchtiefen von maximal 30 Meter zu erreichen. Daher stand am folgenden Tag ein Ausflug in tiefere Tauchregionen an.



Mit dem Boot ging es raus aufs offene Meer. Dort stieß der Gladius Mini in eine Tauchtiefe von 92 Metern vor und es war wirklich beeindruckend, wie gut das U-Boot auch bei starkem Wellengang steuerbar war. Es hielt im Haltemodus die angesteuerte Tiefe exakt und blieb selbst bei starker Strömung auf seinem Standort stehen. Was negativ auffiel war, dass bei eingeschaltetem .jpg- und .dng-Bildmodus die App das Livebild einfror. Dies war nur durch einen kompletten Restart zu beheben. Nimmt man dagegen nur in einem oder dem anderen Modus auf, so trat dieser Effekt nicht auf. Eine Anfrage beim Chasing-Support brachte die Auskunft zutage, dass das Problem bekannt sei und man an einer Lösung arbeite. Solcherlei Anfragen sind mittlerweile im Übrigen wesentlich einfacher zu stellen, da Chasing Innovation in Portugal ein Servicecenter für den europäischen Markt eingerichtet hat.



Entwicklungsspitze


 

Kommen wir abschließend auf die Eingangs gestellte Frage zurück, inwiefern die Größe denn nun entscheidet. Does size matter? Die Antwort ist ein klares Jein. Denn betrachtet man lediglich die Größe, so können weder Gladius Mini noch Gladius Advanced rein aufgrund der Größe punkten. Die physischen Dimensionen sind in diesem Fall offen gestanden unerheblich. Allerdings kann die Mini-Version wirklich überzeugen und ist dank durchdachter Innovationen wirklich zu Großem berufen. Durch die Tiefenverriegelung und die Neigungsverriegelung werden stabile Unterwasseraufnahmen aus allen Winkeln möglich. Bei schneller Vorwärtsfahrt zeigt der Gladius Mini fast keine Tendenzen auszubrechen und folgt dem eingeschlagenen Kurs exakt. Es macht einfach Spaß, mit der Drohne vertikal abzutauchen und stabil in angesteuerten Tiefen zu verharren und gezielt Bilder oder Videos aufzunehmen. In größeren Tiefen ab 10 Meter ergibt es Sinn, Unterwasser-Korrekturfilter einzusetzen, um eine Verbesserung der Bildqualität (Farbechtheit ) zu erreichen. Die Entwicklung bei den Unterwasserdrohnen schreitet voran. Und der Gladius Mini hat sich an die Spitze der Bewegung gesetzt.